Landtagswahlen im Saarland (2): Umfragen früher und jetzt

In wenigen Stunden schließen die Wahllokale im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik - auch wenn die allgemeine Spannung sich primär um die Frage dreht, ob die Große Koalition von Sozialdemokraten und Konservativen geführt werden wird, mmöchte ich einmal sehen, ob die Erfahrungen mit der Demoskopie hier womöglich einige Überraschungen liefern könnten.

Daher habe ich nach dem historischen Blick im letzten Beitrag einmal (in einer Google-Docs-Pivot-Premiere) die Abweichungen der Umfragen zum eigentlichen Wahlergebnis analysiert. Auffallend ist, dass im Saarland generell relativ wenig Umfragen durchgeführt werden, in der Vergangenheit wie jetzt. Eine wirklich umfangreiche Momentaufnahmen-Sequenz wie in Berlin lässt sich daher nicht aufstellen. Nichtsdestrotz (und wie immer auf Basis von wahlrecht.de):

(Grand Total ist der Durchschnitt, die [1] zeigt an, dass es für diese Zeiträume keine Daten gibt, weil die PDS/Linke vor ihrer Lafontaine-Auferstehung nicht sinnvoll demoskopisch erfasst werden konnte.) Read the rest of this entry »


Landtagswahlen im Saarland (1): Die vergangenen Wahlen

Mit den insgesamt drei (zumindest bisher feststehenden) Landtagswahlen kommt in die politische Landschaft doch ein wenig mehr Bewegung als ursprünglich antizipiert. Bemerkenswert: Keine der drei Landtagswahlen ist komplett regulär:

  • Im Saarland kündigte die Ministerpräsidentin die Koalition aus Union, Grünen und FDP auf und der Landtag sich auflöste
  • In Nordrhein-Westfalen scheiterte die rot-grüne Minderheitsregierung mit dem Haushaltsentwurf auch aufgrund eines überraschenden Gutachtens zu einer möglichen granularen Abstimmung, wonach im Mai eine neue Wahl stattfindet
  • In Schleswig-Holstein stellt sich die schwarz-gelbe Regierung nach Beschluss des Landesverfassungsgerichtes zur letzten Landtagswahl erneut an den Urnen

Es treten also Regierung verschiedener politischer Prägung und unterschiedlicher Komplexität (Minderheit, drei Parteien) an. Eine Betrachtung zu den Auswirkungen im Bundesrat lasse ich ggf. noch folgen, zunächst einmal geht es um das kleinste Flächenland, das am 25. März neu wählt. Wie üblich, widme ich mich in der ersten Folge der Betrachtung der historischen Situation im jeweiligen Land.

Zunächst einmal wie üblich die Ergebnisse in Tabellen- und Diagrammform, mein Kommentar folgt anschließend.


Read the rest of this entry »


Kochkurs im Kochhaus – ein Erfahrungsbericht

Zu einem der bemerkenswerten Gentrifizierungsfeatures von Prenzlauer Berg zählt der damit einhergehende Strukturwandel im Einzelhandel. Offensichtliche Neuzugänge sind alle möglichen Läden, in denen man Kaffeegetränke in Pappbechern oder Biokram in Papiertüten heraustragen kann. Ein weiteres Beispiel lässt sich seit einiger Zeit an der Eberswalder Straße beobachten. Genau an jener gemeingefärlichen Kreuzung mit drei Straßenbahnlinien hat sich im spitzen Winkel der Pappelalllee der ehemalige Rossmann verabschiedet und dafür einem Kochhaus Platz gemacht.

Kochhaus, das „begehbare Rezeptbuch“, legt im Nahrungsmitteleinzelhandel den Schwerpunkt klar auf Usability bei reduziertem Funktionsumfang: Angeboten werden nicht einfach Produkte im Regal (abgesehen von etwas Wein-, Pesto- und Brotaufstrichauswahl), sondern jeweils wechselnde Rezepte, für die meist alle Zutaten direkt in exakt der nötigen Dosierung zur Hand stehen.

Kurz gesagt: Ein großartiges Konzept: Das lange Suchen nach der ein oder anderen exotischen Zutat in Rezepten entfällt, ebenso die Frage, was nun mit dem Rest der 500-Gramm-Packung Exoticum für die nächsten Jahre geschehen soll. Auch der Auswahlprozess für das Rezept geschieht eben direkt vor Ort und erlaubt es, das so verbindende gemeinsame Kochen zu erleben, ohne die weniger annehmlichen Komponenten daran. Für Kochhaus wiederum liegt der Vorteil in einer auf die tatsächliche Menge der Nahrungsmittel höheren Marge und natürlich in einer allgemeinen Kundschaft, die für Nahrungsmittel grundsätzlich angemessene Preise zu zahlen bereit ist. Read the rest of this entry »


Eine mögliche Bundesversammlung 2012

Ich möchte mich nicht an der aktuellen Diskussion beteiligen, ob und in welcher Form wer wie angemessen, unangebracht oder unklug reagiert hat, an welcher Stelle Misstrauen aufspringen sollte oder könnte, aber es nicht tut … davon gibt es schon an jeder anderen Ecke im Internet genug. Stattdessen möchte ich kurz der Frage nachgehen, wie bei einem möglichen Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein eine etwaige Bundesversammlung aussehen könnte. (Zum Vergleich: Zusammensetzung Bundesversammlung 2010)

Die unten stehende Tabelle ist dabei nur eine Annäherung, denn das eigentliche Verfahren ist doch recht komplex. Die Bundesversammlung setzt sich

  • zur Hälfte aus den Bundestagsabgeordneten (MdB, die 'geborenen' Mitglieder) und
  • zur anderen Hälfte aus Vertretern, die aus den Landesparlamenten entsandt werden (die 'gekorenen' Mitglieder, die auch personell nicht die jeweiligen MdL/MdA sein müssen) zusammen.

Read the rest of this entry »


Ein guter Monat University of Liverpool: erste Erfahrungen

Nachdem nun endlich der (überraschend gute) Honours-BA der Open University im Kasten ist, habe ich mich im letzten Monat voll und ganz auf das Master-Studium an der University of Liverpool gestürzt (das Fernstudium läuft über Laureate International Universities). Grundsätzlich können meine bisherigen Beobachtungen weniger fachlicher als primär methodischer respektive administrativer Natur sein, aber auch hierbei tun sich einige interessante Unterschiede zur Open University auf.

Im Vergleich sind die Kollegen aus Milton Keynes regelrecht papierverliebt. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen Brief bekommen, keine Zahlungsbestätigung, keine Immatrikulationsbeschreibung, keine Kursunterlagen, keine Image-Broschüre, kein Flyer des Studentenwerk-Äquivalentes. Es würde mich nicht wundern, wenn selbst das Master-Zertifikat als PDF-Attachment ankommt. Auch wenn die Open University keineswegs viele Sendungen verschickt hat (und im Zuge der Sparmaßnahmen ja immer weiter eindämmt), so ist das Duo Liverpool/Laureate doch bemerkenswert konsequent. Die schreiben "Online Degree", die meinen es! Read the rest of this entry »


Von Milton Keynes nach Liverpool: Fernstudium - die Fortsetzung

(Bitte beliebige einigermaßen schmissig pointierte Einleitung über Hollywoodfortsetzungswahn denken. Danke.)

Rund zwei Wochen ist es her, dass ich meine letzte Prüfung für die Open University geschrieben habe, im Astronomie-Kurs S282. Auch wenn das keine absolute Glanzleistung war, so gehe ich doch davon aus, dass es für ein einigermaßen akzeptables Bestehen gereicht hat – und damit mein Soll an Credits sowohl für das Zertifikat in Astronomie, als auch, ungleich wichtiger, für den B.A. (Hons) Humanities erfüllt ist. Das wäre gut und schlösse dementsprechend dieses Kapitel. Vermutlich werde ich noch einmal einen Gesamtrückblick des Studiums verfassen, aber zunächst ist das ein hinter mir liegender Abschnitt.

In einer angenehmen zeitlichen Dichte trudelte heute früh eine Mail mit dem Betreff „Admission“ ein, Absender war die University of Liverpool. Ab Kursbeginn 17. November geht es hier los, ich beginne einen MSc in Software Engineering. Ich hatte noch keine Möglichkeit, die Online-Tools etc. einzusehen, daher kann ich noch nicht viel zur Vergleichbarkeit sagen, zumal ein Master und ein B.A. inklusive den 10-Punkt-Kurzkursen schlichtweg in anderen Erwartungshorizonten auf beiden Seiten angesiedelt sind. Read the rest of this entry »


Landtagswahlen 2011: Eine Zusammenfassung

Nach dem letzten sonntäglichen Wahlgang in Berlin ist nun erst einmal bis ins nächste Jahr hinein Ruhe, was angesichts des daueralerten Zustandes der Republik sicher keine schlechte Nachricht ist. In der Zwischenzeit wird es sich lohnen, die Entwicklung der Piraten zu verfolgen, ebenso wie die Maßnahmen der FDP, Salonfähigkeit herzustellen. Indes bietet dieser Moment für mich eine willkommene Gelegenheit, einmal alle Wahlen zu rekapitulieren, natürlich mit der ganzen Macht der Säulendiagramme.

Den Anfang macht, ganz trivial, eine Übersicht aller Wahlausgänge (zunächst das Zahlenwerk, dann das erste Säulendiagramm):

Die Ergebnisse der Landtagswahlen 2011. Erfasst wurden alle Parteien, die bei mindestens einer Wahl ins Landesparlament gekommen sind (außer BIW, weil nur in Bremen relevant).

Einige Bemerkungen dazu schon einmal: Read the rest of this entry »


Rückblick 2011: Wie übertragbar und repräsentativ ist der Erfolg der Piraten in Berlin?

Ich spare mir die übliche "DIE Überraschung bei den Wahlen in Berlin..."-Einleitung und widme mich gleich der Fragestellung: Wie stark ist der Erfolg der Partei bei dieser Wahl eine Ausnahmeerscheinung – dazu schaue ich mir an, wie sich bei den anderen Landtagswahlen es Jahres die Stimmenanzahl (relativ wie absolut) entwickelt hat im Vergleich zu den jeweiligen Ergebnis bei der Abstimmung zum Bundestag und zum EU-Parlament 2009.

War Berlin nur quantitativ die stärkste Ausprägung einer bundesweiten Entwicklung, oder zeigt sich vielmehr ein differenziertes Bild für das Jahr 2011?

Das Diagramm (Zahlen folgen ganz unten), für das ich mich entschieden habe, listet dabei sowohl absolute als auch relative Zustimmung zu den Piraten auf – die Größe der Kreise entspricht der Anzahl der Stimmen, wobei die Kreismittelpunkte jeweils auf dem Zweitstimmenergebnis in Prozent liegen. Optimal sind also Kreise, die möglichst weit oben liegen und möglichst groß sind, und eine möglichst gute Entwicklung für die Piraten wäre ein roter Kreis, der größer und höher ist als der blaue in seiner Spalte, aber ebenfalls übertrumpft wird vom gelben – also ein wachsender Anstieg in relativer wie absoluter Zustimmung von Wahl zu Wahl.

Entwicklung der Piraten – Wahlen zum EU-Parlament und Bundestagswahl 2009, Landtagswahlen 2011. Der Mittelpunkt der Kreise ist das jeweilige Zweitstimmenergebnis in Prozent.

Ein kurzer Blick auf die Abbildung genügt, um zu sehen, dass das so ideal nur in Berlin in der Fall ist. Grundsätzlich konnte sich die Piratenpartei gegenüber der Wahl zum EU-Parlament 2009 zwar immer steigern, das Bundestagswahlergebnis jedoch konnte sie bei den 2011 anstehenden Landtagswahlen keineswegs immer steigern: Read the rest of this entry »


Abgeordnetenhauswahlen in Berlin (5): Die Umfragen am Tag vor der Wahl

In wenigen Stunden ist es soweit – die letzte große Wahl des Jahres steht an. Daher möchte ich hier das Beitragsquintett mit einer relativ einfachen (aber dafür weit zurückgehenden) Übersicht der Umfragen (Einzelwerte und gleitender Durchschnitt) abschließen. Wer die Berichterstattung in der jüngsten Zeit verfolgt hat, den überrascht das nachfolgende Diagramm nicht.

Entwicklung der Umfragen in Berlin zur Landtagswahl 2011 – es gilt das Veröffentlichungsdatum.

Die wichtigsten Fakten zum Mitnehmen: Read the rest of this entry »


Abgeordnetenhauswahlen in Berlin (4): Zuverlässigkeit der Umfragen in der Vergangenheit

In dieser letzten eher historisch gefärbten Abhandlung schaue ich mir sehr bodenständig anhand der letzten drei Abgeordnetenhauswahlen in Berlin an, wie sich die Institute dabei schlagen, das Wahlverhalten der Berliner zu schätzen – was für die folgende Analyse der gegenwärtigen Situation im Kopf behalten werden sollte. (Umfragen wie immer von wahlrecht.de)

So entwickelten sich die Umfragen bei der Abgeordnetenhauswahl 2006

2006, so suggeriert das Holzhammer-Diagramm, das schlichtweg alle Analysen aneinanderplottet, wurde vergleichsweise großzügig geschätzt. Ein schärferer Blick jedoch zeigt, dass das keineswegs durchgehend stimmt. Betrachtet man die vier letzten, von vier verschiedenen Instituten durchgeführten Umfrage einzeln, so wird deutlich: Read the rest of this entry »